Dem Wiedehopf auf der Spur

Alle Jahre wieder werden in Vogelphotographie-Foren die schönsten Wiedehopf-Bilder unter anderem aus unserer Region gepostet. Kein Wunder, dass uns das jetzt auch auf den Plan rief, der Sache bzw. dem Wiedehopf einmal nachzugehen. Aber wo anfangen? Die Region ist groß. Da der Vogel gerne in alten Rebhütten nistet, in denen früher die Winzer ihr Werkzeug für die Rebarbeiten unterbrachten, nahmen wir uns ein Weinreben-Areal am Kaiserstuhl vor, in dem solche Rebhütten noch zu finden sind. Die werden leider immer weniger, weil aufgrund der modernen Maschinen weniger gebraucht. Aber erfreulich ist, dass es auch neue, speziell auf den Wiedehopf zugeschnittene Rebhütten mit einem Loch in halber Höhe und Nistkasten dahinter gibt, in der Absicht, den Vogel wieder vermehrt anzusiedeln.
Also hieß es im April 2018, nachdem das Wetter endlich besser wurde, mit Fernglas herumlaufen und die Gegend unter die Lupe zu nehmen. Schon bald hörten wir huphuphup und sichteten einen Wiedehopf, der sich in der Nähe einer versteckten Rebhütte herumtrieb, die bei näherer Inspizierung auch ein passendes Loch aufwies. Dort saß ein zweiter Vogel. Offenbar hatten wir Glück....

Bei einem Besuch ein paar Tage später im Mai mussten wir jedoch feststellen, dass sich an der Hütte nichts mehr tat. Es sah so aus, als hätte das Wiedehopf-Weibchen die angebotene Unterkunft nicht angenommen. Das bedeutete für uns, wieder mit Fernglas und viel Geduld auf die Suche zu gehen und die Gegend zu beobachten. Schon bald danach wurden wir wieder fündig. Ein Wiedehopf saß in der Nähe einer zweiten Hütte und beim ersten Ansitz beobachteten wir Nestbauaktivitäten.

Aber nach ein paar Tagen wurden wir wieder enttäuscht. Kein Wiedehopf flog die Hütte mehr an, stattdessen sahen wir Stare aus dem Loch flattern. Stare sind Wohnungskonkurrenten. Deshalb werden oben an den Rebhütten auch Starenkästen aufgehängt, um dem Wiedehopf den für ihn bestimmten Nistkasten freizuhalten. Dies hatte hier offenbar nicht geklappt. Ob der Wiedehopf vertrieben wurde - wir wissen es nicht. Da Aufgeben keine Option war und es weitere Rebhütten zu entdecken gab, machten wir uns wieder auf die Suche und wurden abermals fündig, diesmal auf Dauer. Ein freundlicher Winzer hatte auf seinem Grundstück nicht nur eine Rebhütte für den Wiedehopf präpariert, sondern sogar einen Ansitzplatz für Photographen geschaffen, der eifrig genutzt wurde, vor allem am Wochenende. Sogar aus der Schweiz rückten die Leute an. Die Ehemänner saßen mit ihren Rohren hinter den Büschen, während die dazugehörenden Ehefrauen geduldig im Unterstand ausharrten, Kreuzworträtsel lösten und oftmals jede Aktivität des Wiedhopfs z. B. mit einem lauten:"Rudi, da kommt er!" kommentierten. Deshalb zogen wir es vor, unter der Woche den Wecker sehr früh morgens zu stellen und uns in Tarnzelten zu verstecken.

Auf Futtersuche

Beute im Anflug

Fütterung der Jungen im Juni 2018

Wo bleibt mein Frühstück?

Kamen die Jungen ins ausflugsfähige Alter aus Hotel Mama, wurden die Abstände zwischen den Fütterungen größer, wohl um die Jungen aus dem Nest zu locken. So beobachteten wir, wie sich der Altvogel mit Beute dem Loch näherte, den Kopf hineinsteckte, einem der letzten verbliebenen der 7 Jungtiere die Beute vorhielt, den Kopf wieder zurückzog und wegflog.
Den Auszug der Jungen aus dem Nest haben wir nicht mehr beobachtet. Dazu hätten wir ohne Unterbrechung ansitzen müssen und das war für uns nicht möglich. Die Jungen hüpften später im Schutz der Reben umher und wurden von den Alten eine Zeitlang außerhalb gefüttert. So konnten wir zählen, dass es tatsächlich 7 Jungvögel gab!

Junger Wiedehopf in den Reben